Die Gründung von Linha Brasil, Venâncio Aires

[Auszug aus dem Buch „Os Velhos Gressler“ (auf Portugiesisch), 1949, von Paulo Oscar Ernesto Gressler aus Venâncio Aires. S.224-231 – Deutsche Übersetzung von Carlos A Heuser]

Im Jahr 1860 kamen die ersten deutschen Einwanderer aus der bereits bestehenden Kolonie Santa Cruz in das heutige Centro Linha Brasil. Damals gehörte Linha Brasil zu der Colônia Mont’Alverne, die im Jahr 1856 gegründet worden war. Zu der Zeit existierte die heutige Stadt von Venâncio Ayres noch nicht. Die Hauptstadt des Kreises sollte in der Region von Baixa Linha Brasil liegen, aber dieser Plan wurde nie ausgeführt.

Der erste Bewohner von Linha Brasil war Pedro Sisterhen, der sich in der Kolonie Nr. 17 niederließ. Er hatte wenig Interesse an der Landwirtschaft, widmete sich mehr dem Handel mit Yerba Mate und erledigte gelegentlich Arbeiten aller Art. Außerdem wurde er vom Inhaber der Kolonie angestellt, um den ankommenden Einwanderern die Stelle ihrer Grundstücken zu zeigen. Einige alte Einwohner von Linha Brasil erzählen, dass Pedro Sisterhen eine freundliche und fröhliche Person war. Sein Sohn war der erste Kind der in Linha Brasil geboren ist. Sisterhen blieb mehr oder weniger bis zum Jahr 1874 in Linha Brasil und zog dann weg. Nach dieser Zeit ist nichts mehr über ihn bekannt.

Die erste Familie, die in Linha Brasil lebte, war die von Christiano Henrique Benke. Er war somit der Pionier von Linha Brasil. Benke wurde am 17. Juni 1826 in Meklenburg-Schwerin geboren, kam 1852 als Legionär von Hamburg nach Brasilien und nahm am Krieg gegen den argentinischen Diktator Manuel Rosas teil. Am Ende des Krieges versuchte er, sich an verschiedenen Orten wie Porto Alegre, São Leopoldo und Santa Cruz niederzulassen, bis er schließlich Ende der 1860er Jahre in das heutige Centro Linha Brasil ankam. Im ersten Jahr lebte die Familie Bencke allein dort, bis schließlich andere deutsche Einwanderer eintrafen. Unter anderem waren die folgenden Familien die ersten, die ankamen: Jacob Gerlach, Pedro Nagel, Jacob Ruppenthal, Elsenbach und Gass. Sie waren stark und hatten keine Angst vor dem Urwald. Mit viel Mühe und Schweiß verwandelten sie den Dschungel in ein großzügiges Kulturland. Die Nachnamen dieser Pioniere finden sich in großer Zahl in dieser Gemeinde und ihrer Umgebung sowie in der Bergregion.

[Es gibt einen weiteren Beitrag in diesem Blog, der die Geschichte der Ankunft von Christian Heinrich Bencke in Linha Brasil ausführlicher erzählt.]

1872 erfolgte der erste Transport von Einwanderern aus Böhmen aus den Städten Gablonz und Reichenbach. Sie waren von Beruf Glasmacher und kamen hierher, um ihr eigenes Land zu erwerben. Unter diesen war José Gärtner. Sein erster Nachkomme, der in Brasilien geboren wurde, war Ernesto Gärtner, der immer noch im heutigen Centro Linha Brasil lebt inmitten seine Kinder, Enkel und Urenkel. Er ist im fortgeschrittenen Alter von 75 Jahren immer noch körperlich und geistig gesund.

In den folgenden Jahren kamen mehr Familiengruppen aus Böhmen. Die meisten von ihnen ließen sich in den Kolonien Linha IzabelaPicada Magdalena und Linha Sampaio nieder. Anlässlich der Feierlichkeiten zum fünfzigjährigen Bestehen der Linha Sampaio (1873-1923) und der Linha Izabela (1874-1924) wurden sehr interessante Berichte veröffentlicht, die den Anfang der Kolonisation beschreiben. In diesen Berichten sind einige bemerkenswerte Ereignisse über der Reise und Ankunft der Einwanderern erhalten. Francisco Reckziegel schreibt: „Bei unserer Ankunft in der Vila sagte unser Fahrer André Jantsch: – Jetzt sind wir in der Stadt. – Die Frauen hoben dann ihre Hände zum Himmel und riefen aus: Mein Gott, wenn dies die Stadt ist, wie wird unser Dorf sein?! “ Zu dieser Zeit gab es nur sechs oder sieben weiße Häuser und einige Strohhütten. Das war das ganze Dorf. Auch Bertoldo Stohr schreibt: „Es war eine Reise voller Schwierigkeiten. Einige konnten noch kein Portugiesisch und andere kein Deutsch. Wir mussten mehr mit unseren Händen als mit unserem Mund sprechen.“

Die meisten dieser Einwanderer erwarben ihre Grundstücke von Colonizadora Pereira & Cia (Brüder Henrique und António Batista Pereira), die 1865 unter der Leitung des Ingenieurs Carlos Trein Filho aus Santa Cruz gegründet wurde.

Ein Grundstück von 100.000 Braças (48 Hektar) kostete damals 300 bis 600 Milreis, zahlbar in fünf Jahren. Es war nicht viel, aber im Verhältnis zur Zeit war es immer noch eine große Summe, da die Preise der Produkte auch sehr niedrig waren. Der Start für diese Einwanderer war sehr schwierig. Es wurde viel Schweiß verschüttet und viele Axtschläge wurden vergebens ausgeführt, da ihnen das Wissen und die Fähigkeiten fehlten, um diese Arbeiten auszuführen. Die ersten Einwanderer mussten Straßen öffnen und in befahrbare Wege verwandeln. Mit vielen Opfern begannen sie, Schulen, Kirchen und Friedhöfe zu errichten. Als die Zeit der ersten Todesfälle von Einwanderern kam, hat es ihnen schwer gefallen, ihre Toten in einer Ecke ihres Grundstücks zu begraben. Im alten Land, waren sie gewohnt, die Toten auf einem gemeinsamen Friedhof zu beerdigen. Außerdem mussten sie hier die Zeremonie selbst durchführen, ohne den Trost des heiligen Wortes zu hören, das von einem Priester gesprochen wurde. Wir können uns kaum vorstellen, welche Schwierigkeiten und Opfer diese Vorfahren hatten, um das aufzubauen, was unserer heutigen Generation präsentiert wird. Wir neigen heute leicht dazu, mit einem ironischen Lächeln die bestehenden Schulen, Kirchen und Gesellschaften zu sehen. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass das, was heute noch klein und unbedeutend erscheint, zur damaligen Zeit groß und wichtig war.

Aus diesem Grund müssen wir in Bezug auf die Entwicklungsgeschichte unserer Gemeinde diese mutigen Pioniere immer mit Ehre und Dankbarkeit erwähnen.

Die damaligen Kolonisten beschäftigten sich kaum mit Politik. Sie mussten sich mit anderen, unmittelbareren Problemen befassen. Normalerweise wählten sie die Regierungsparteie. Mit der Proklamation der Republik unterstützte eine große Mehrheit von ihnen die gesetzlich konstituierte Regierung.